Tierversuche: Jedes Jahr werden
in der EU rund 12 Millionen Tiere in Labors zu Forschungszwecken
eingesetzt, davon rund 10.000 Primaten. Die EU-Kommission hat im
November 2008 eine Richtlinienentwurf vorgelegt, mit dem die
Vorschriften über Tierversuche auf einem höheren Niveau vereinheitlicht
werden sollen.
Befürworter, darunter Forscher und Pharmakonzerne,
verweisen auf die Notwendigkeit von Tierversuchen auch mit Primaten, um
Therapien für Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, TBC oder Multiple
Sklerose zu entwickeln.
Gegner führen an, dass solche Tests zu
irreführenden Ergebnissen führen könnten und halten es für ethisch
fragwürdig, leidensfähige und mit dem Menschen verwandte Säugetiere zu
solchen Zwecken einzusetzen.
Der Bericht des Landwirtschaftsausschusses spricht
sich dagegen aus, ein Datum zu setzen, ab dem Versuche zu
wissenschaftlichen Zwecken mit bestimmten Tierarten verboten werden.
Dies könne u.a. desaströse Folgen für die menschliche Gesundheit und
den medizinischen Fortschritt haben. Allerdings sollten strenge
Auflagen die Zahl der eingesetzten Tier und deren Leid so weit wie
möglich reduzieren.
Auch sollten „Versuche an Menschenaffen und in
freier Wildbahn gefangenen Primaten mit sofortiger Wirkung verboten
werden. Aus ethischen Gründen sowie auch im Hinblick auf den Tier- und
Artenschutz“ sei es äußerst wichtig, dass auch die Versuche an direkten
Nachkommen von in freier Wildbahn gefangenen Primaten schrittweise
eingestellt werden, so Berichterstatter Neil Parish von den britischen
Konservativen.
Gleichwohl warnt der Bericht auch vor einem Verbot
von Versuchen mit bestimmten anderen Primaten-Arten, da dadurch die
europäische Forschung gegenüber amerikanischen oder asiatischen
Wettbewerbern benachteiligt werden würde.
Handel mit Robbenprodukten
Ebenfalls auf der Tagesordnung steht am
Montagabend (ca. 21:00 Uhr) ein Einfuhr- und Handelsverbot von
Produkten, die aus Robben, insbesondere deren Fellen, hergestellt
werden.
Rund 900.000 Robben werden jährlich kommerziell
gejagt, vor allem Kanada, Grönland und Namibia sowie Norwegen und
Russland. Innerhalb der EU werden Robben noch in Schweden, Finnland und
Schottland getötet, wobei dies vor allem mit dem Schutz von wichtigen
Fischgründen gerechtfertigt wird.
Der vom Binnenmarktausschuss unter Federführung
der britischen Liberalen Diana Wallis vorgelegte Parlamentsbericht
spricht sich für ein umfassendes Handelsverbot aus. Ausgenommen werden
sollen lediglich Produkte, die aus der traditionellen Jagd der Inuit
(der Ureinwohner der Nordpolar-Region) stammen.
Das Handelsverbot könnte nach der Zustimmung des Parlamentsplenums innerhalb von rund zehn Monaten in Kraft treten.
Ein weiterer Bericht befasst sich
mit den europäischen Schlacht-Vorschriften, die das Leiden der Tiere
minimieren sollen. Berichterstatter Janusz Wojciechowski (Union für ein
Europa der Nationen, UEN) wird ihn Dienstagabend im Plenum vorstellen
(Abstimmung am Mittwoch).