Europäische Kommission: -Trotz rückläufiger Nitratverschmutzung müssen noch stärkere Anstrengungen zur Einhaltung der Wasserqualitätsnormen in der EU unternommen werden
Reference: IP/10/154 Date: 11/02/2010
Brüssel, den 11. Februar 2 010
Europäische Kommission: Trotz rückläufiger Nitratverschmutzung müssen noch stärkere Anstrengungen zur Einhaltung der Wasserqualitätsnormen in der EU unternommen werden
Ein heute veröffentlichter Bericht der Europäischen Kommission zeigt, dass die Nitratwerte in den Gewässern in der EU zurückgehen. Die Rechtsvorschriften, die die Verschmutzung von Grundwasser und Oberflächengewässern durch Nitrate aus landwirtschaftlichen Quellen verhindern sollen, zeigen dem Bericht zufolge Wirkung. In einigen Regionen liegen die Nitratkonzentrationen jedoch über den Wasserqualitätsnormen der EU, und die Landwirte müssen noch mehr auf nachhaltigere Praktiken umstellen.
Umweltkommissar Janez Potočnik erklärte hierzu: „Der Schutz der Wasserqualität zählt zu den obersten Prioritäten der europäischen Umweltpolitik. Die Landwirte haben sich sehr um ein besseres Düngemanagement bemüht, das nun Ergebnisse zeigt und zur Verbesserung der Wasserqualität beiträgt. In einigen Regionen stellt die Einhaltung der Wasserqualitätsnormen der EU jedoch weiterhin ein ernsthaftes Problem dar.“
Ermutigende Entwicklungen bei der Wasserqualität, doch nach wie vor auch erhebliche Probleme
Der Einsatz von organischen und chemischen Düngemitteln in der Landwirtschaft trägt in erheblichem Maße zur Wasserverschmutzung in Europa bei. Nitrate sind ein lebenswichtiger Nährstoff, der das Wachstum der Pflanzen fördert, doch bilden hohe Nitratkonzentrationen eine Gefahr für den Menschen und die Natur.
Der heute veröffentlichte Bericht über die Umsetzung der Nitratrichtlinie, mit der die Verschmutzung bekämpft und die Wasserqualität verbessert werden soll, lässt eine Tendenz hin zu stabilen bzw. sinkenden Nitratkonzentrationen in der EU erkennen. Im Zeitraum 2004 bis 2007 sind die Nitratkonzentrationen in Oberflächengewässern (Flüsse, Seen und Kanäle) bei 70 % der Überwachungsstationen stabil geblieben oder zurückgegangen. Bei 66 % der Überwachungsstationen für das Grundwasser ist die Wasserqualität stabil geblieben oder hat sich verbessert.
Trotz dieser ermutigenden Entwicklungen zeigt der Bericht jedoch auch eine Reihe von Regionen mit besorgniserregenden Nitratwerten auf. Hohe Nitratwerte im Grundwasser sind in Teilen Estlands, den südöstlichen Niederlanden, Belgien (Flandern), dem Vereinigten Königreich (England), verschiedenen Teilen Frankreichs, in Norditalien, Nordostspanien, dem Südosten der Slowakei, Südrumänien sowie in Malta und Zypern zu verzeichnen. Besonders hohe Werte in Oberflächengewässern wurden in Malta, dem Vereinigten Königreich (England), Belgien (Flandern) und Frankreich (Bretagne) festgestellt.
Dem Bericht zufolge wurden bei rund 15 % der Grundwasserüberwachungsstationen und 3 % der Oberflächenstationen Nitratwerte gemessen, die über der Wasserqualitätsnorm von 50 mg/l liegen.
Laufende Arbeiten
Eine gute Überwachung ist von größter Bedeutung und erfordert die Errichtung von hochwertigen Überwachungsnetzen für Grundwasser, Oberflächen- und Meeresgewässer. In der EU gibt es derzeit 31 000 Grundwassermessstationen und 27 000 Stationen für Oberflächengewässer.
In der EU werden mehr als 300 Aktionsprogramme durchgeführt , und die Qualität dieser Programme verbessert sich. Zu den Maßnahmen gehören Perioden mit Düngeverbot, Mindestlagerkapazitäten für Dung und Vorschriften zur Kontrolle der Nährstoffausbringung in der Nähe von Gewässern oder an Hängen, um das Kontaminationsrisiko zu verringern. Diese Maßnahmen bringen auch erhebliche Vorteile für die Luftqualität und verringern die Emissionen der Treibhausgase Stickoxid und Methan, die beide in starkem Maße zum Klimawandel beitragen.
Die Mitgliedstaaten haben nitratgefährdete Gebiete ausgewiesen, für die besondere Aktionsprogramme durchgeführt werden. Einige Mitgliedstaaten (Dänemark, Deutschland, Finnland, Irland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich und Slowenien) führen Aktionsprogramme für ihr gesamtes Hoheitsgebiet durch, um ein landesweit einheitliches Schutzniveau zu gewährleisten.
Obgleich die Informations- und Schulungsmaßnahmen für die Landwirte zu einer wesentlichen Verbesserung des Düngemanagements und der landwirtschaftlichen Praktiken geführt haben, muss noch mehr getan werden, um die Qualitätsziele für alle Gewässer in der EU zu erreichen. Viele Mitgliedstaaten müssen in einer Rehe von Bereichen verstärkte Anstrengungen unternehmen, z. B. bei der Überwachung und Identifizierung von Belastungsschwerpunkten und bei der Ausarbeitung strikterer Aktionsprogramme.
Neue Möglichkeiten zur Bekämpfung der Verschmutzung durch neue Technologien
Wie aus dem Bericht hervorgeht, zeigen die Landwirte zunehmendes Interesse an innovativen Fütterungsmethoden, die die Nährstoffausscheidung reduzieren, sowie an neuen Technologien (z. B. Dungverarbeitung). Diese reichen von der einfachen Trennung von Fest- und Flüssigstoffen bis zu fortgeschritteneren Techniken für die Verarbeitung der Gülle zu sauberem Wasser und hochwertigem organischem Dünger, oft in Kombination mit Techniken zur Energierückgewinnung. Insbesondere in Belgien, den Niederlanden und Spanien haben Gruppen von Landwirten in gemeinsame Projekte investiert.
Berichterstattung
Alle vier Jahre wird auf der Grundlage von Angaben der nationalen Behörden ein Bericht über die Umsetzung der Richtlinie erstellt. In den Jahren 2008 und 2009 haben alle 27 Mitgliedstaaten einen förmlichen Bericht für den Zeitraum 2004-2007 vorgelegt. Der vollständige Bericht kann abgerufen werden unter:
http://ec.europa.eu/environment/water/water-nitrates/index_en.html