Naturschutz, IUCN-Weltkongress
IUCN-Weltkongress stellt Naturschutz in den Kontext nachhaltiger Entwicklung BfN-Präsidentin Jessel: Globaler Naturschutz erfordert weiterhin große Anstrengungen Pressemitteilung BfN 14.10.2008
IUCN-Weltkongress stellt Naturschutz in den Kontext nachhaltiger Entwicklung
BfN-Präsidentin Jessel: Globaler Naturschutz erfordert weiterhin große Anstrengungen
Barcelona/Bonn, 14.10.2008: Heute endet in Barcelona der 4. World Conservation Congress der Weltnaturschutzunion IUCN. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist mit dem Verlauf des öffentlichen Teils des IUCN-Weltkongress zu frieden. "So habe sich die Weltöffentlichkeit zum zweiten Mal in diesem Jahr mit den globalen Aspekten des Naturschutzes beschäftigt, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Die vorgelegten neuen Zahlen der Roten Liste der IUCN und der gleichfalls auf der Konferenz präsentierte IUCN-Bericht zur Bedrohung von Arten durch den Klimawandel machen aber erneut deutlich, dass der globale Naturschutz weiterhin großer Anstrengungen bedarf," zog die BfN-Präsidentin ein erstes Resümee. "Naturschutz muss dabei in einen umfassenden Kontext gestellt werden, der auch ökonomischen und sozialen Aspekten Rechnung trägt. Nicht umsonst kam in vielen Veranstaltungen des Kongresses immer wieder zur Sprache, wie notwendig es ist, den Schutz der Biodiversität mit nachhaltiger Nutzung und Bestrebungen zur Armutsbekämpfung zu verbinden", so Jessel.
Diesem Thema widmeten sich auf dem Kongress in Form sogenannter "Nachhaltigkeitsdialoge" verschiedene hochrangig besetzte Plenumsveranstaltungen. Gemeinsam mit Wirtschaftsunternehmen und NGOs präsentierte das BfN in diesem Zusammenhang eine neue Partnerschaft für einen Zertifizierungsstandard für die nachhaltige Sammlung von Wildpflanzen. Von einer langfristig angelegten nachhaltigen Nutzung dieser Pflanzen, die zum großen Teil in der freien Natur gesammelt werden und in viele unserer Arzneimittel Eingang finden, profitieren dabei nicht nur der Naturschutz, sondern auch die Pharmaunternehmen und die örtliche Bevölkerung.
Darüber hinaus stellte das BfN während des Weltkongresses Ausschnitte seiner internationalen Naturschutzzusammenarbeit vor. Auch bei der in einem BfN-Workshop diskutierten Frage, was Welterbegebiete zum Erhalt der Biodiversität beitragen können, wurde deutlich, dass in der gezielten Verbindung von Natur- und Kulturerbe wichtige Synergien befördert werden können. Eine weitere Veranstaltung des BfN war gemeinsam mit Vertretern aus alpinen Schutzgebieten der Initiative zum ökologischen Verbund im Rahmen der Alpenkonvention gewidmet, wobei interessante Parallelen bei der Zusammenarbeit auch in anderen Berggebieten wie den Karpaten und dem Himalaja aufgezeigt wurden. „Die Erfahrungen der Alpenstaaten beim Aufbau eines Netzwerks von Schutzgebieten und der Schaffung eines ökologischen Verbundes können beispielhaft auch für andere Bergregionen sein. Das von uns maßgeblich mit initiierte und anlässlich der 9. Vertragstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt im Mai in Bonn unterzeichnete "Memorandum of Understanding“ zwischen der Alpenkonvention, der Karpatenkonvention und der CBD Stellt die Grundlage für eine intensivere Zusammenarbeit dar," sagte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des BfN, in ihrer Ansprache beim Workshops.
Die Generalversammlung der weltgrößten Naturschutzorganisation ist nicht nur das größte Treffen von Experten aus Natur- und Umweltschutz, sondern vereint Nichtregierungsorganisationen und Regierungsvertreter weltweit zu einem beispielhaften Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Weitere Kernthemen der über 800 Fachveranstaltungen des World Conservation waren Fragen der Schutzes der biologischen Vielfalt, der Bedeutung intakter Ökosysteme und einer intakten Umwelt für die Gesundheit des Menschen und des Umgangs mit den Herausforderungen einer sich immer rascher entwickelnden Welt und des Klimawandels.
Zum Ende der Generalversammlung wurde Dr. Ashok Khosla aus Indien zum neuen IUCN Präsidenten gewählt. Ahok Khosla ist einer der führenden Experten im Bereich Umwelt und nachhaltige Entwicklung weltweit. Im Jahr 2002 erhielt der ehemalige UNEP Direktor den Sasakawa Environment Prize - den "Nobel Prize" im Bereich Umwelt. Khosla studierte Naturwissenschaften in Cambridge und studierte und lehrte in Harvard. Seine umfassenden Erfahrungen werden der IUCN neue Impulse geben.
Zu dem mehr als 1000 Mitgliedern der IUCN zählen neben Regierungen bzw. Regierungsagenturen auch Nichtregierungsorganisationen im Bereich des Naturschutzes. Deutsche Mitglieder sind das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, das BfN, die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) als assoziiertes Mitglied sowie 14 deutsche NGOs. Die Mitglieder kommen in vierjährigen Turnus zur Generalversammlung zusammen, um über die strategische Ausrichtung der IUCN, aktuelle Fragen des Naturschutzes und das Arbeitsprogramm der IUCN zu beraten.
Weitere Informationen; www.iucn.org/congress