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Umstrittener Brückenschlag zwischen Dänemark und Deutschland

EU-News vom 4.9.2008

Nach dem Willen der Verkehrsministerien in Kopenhagen und Berlin kann in vier Jahren mit dem Bau der umstrittenen Eisenbahn- und Autobrücke über den Fehmarnbelt begonnen werden. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und die dänische Verkehrsministerin Carina Christensen unterschrieben am 3. September in Kopenhagen den entsprechenden Staatsvertrag. Die etwa 19 Kilometer lange Brücke zwischen Puttgarden auf der Ostseeinsel Fehmarn und Rödby auf dem dänischen Lolland soll demnach zwischen 2012 und 2018 gebaut werden und rund 4,8 Milliarden Euro kosten. Durch die Fehmarnbeltbrücke soll der Verkehr zwischen beiden Ländern schneller fließen.

Dänemark soll alleiniger Eigentümer der Brücke sein und diese auch allein finanzieren. Dem Unternehmen, das in den Bau investieren wird, will das skandinavische Land Staatsgarantien über 4,8 Milliarden Euro gewähren. Die Kosten sollen dann 26 Jahre lang über Mauteinnahmen zurückfließen. Die EU will zu dem grenzüberschreitenden Verkehrsprojekt 330 Millionen Euro beisteuern. Die Fehmarnbeltquerung hat in Brüssel hohe Prioriät. Deutschland verpflichtet sich, für die Hinterlandanbindung bis Puttgarden auf Fehmarn zu sorgen. Die E 47 soll bis 2018 vierspurig bis Puttgarden ausgebaut werden. Gleichzeitig soll die eingleisige Schienenstrecke elektrifiziert werden, 2025 soll dann eine zweigleisige Schienenstrecke fertig sein. Diese Verkehrsanbindung soll die deutsche Seite etwa 800 Millionen Euro kosten.

Über die Meerenge zwischen Fehmarn und Lolland führt der kürzeste Weg zwischen Skandinavien und dem westeuropäischen Kontinent. Derzeit sind hier Fähren im Einsatz, die für eine Überfahrt 45 Minuten brauchen. Laut Verkehrsprognosen würde sich das Verkehrsvolumen durch eine Brücke rasch verdoppeln: 8.000 Autos, 1.000 Lkw und 4.000 Zugpassagiere täglich. Die Mautgebühren sollen voraussichtlich den heutigen Fährpreisen entsprechen.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisiert das Projekt und forderte die Bundestagsabgeordneten auf, dem Brückenbau nicht zuzustimmen. Nach aktuellen Berechnungen seien bereits rund 40.000 Quadratkilometer Ostseeboden ökologisch tot, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Er appellierte an das "grüne Gewissen" der Parlamentarier, den von ihnen proklamierten Natur- und Artenschutz nicht nur im Regenwald, sondern auch vor der eigenen Haustür zu praktizieren. Zunächst muss der Vertrag in den zuständigen Ausschüssen des Bundestages beraten werden. Im kommenden Jahr stimmen dann Bundestag und Bundesrat endgültig darüber ab.

Die Vorbehalte des NABU decken sich mit der Risikobewertung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Die oberste Naturschutzbehörde hält es für dringend notwendig zu klären, welche Gefahren es für 20 Millionen ziehende Wasservögel und Schweinswale gibt. Zudem müsse in einer Umweltverträglichkeitsprüfung untersucht werden, inwiefern 70 Brückenpfeiler den Wasseraustausch zwischen Nord- und Ostsee beeinflussen. Die EU widerspricht aus Sicht des NABU mit der Förderung der Fehrmarnbeltbrücke ihren eigenen Zielen. Zur Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen sollen eigentlich Projekte finanziert werden, die die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene fördern. Hier werde genau das Gegenteil gefördert, und zwar der Gütertransport per Lkw auf Kosten versiegelter Böden und einer zerstörten Ostsee, sagte Miller. Der NABU will alle juristischen Mittel ausschöpfen, um das Projekt zu stoppen. (mbu)
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