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Umwelt: Europas Amphibien und Reptilien sind in Gefahr

EU-Kommission PM vom 20.5.2009 - IP/09/815

IP/09/815

Brüssel, den 20. Mai 2009

Umwelt: Europas Amphibien und Reptilien sind in Gefahr

In Europa sind ein Fünftel der Reptilien und fast ein Viertel der Amphibien vom Aussterben bedroht. Das haben jüngste Studien ergeben, die die Weltnaturschutzunion IUCN im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführt hat. Diese Studien, die am Internationalen Tag der Artenvielfalt vorgelegt werden sollen, enthalten die ersten europäischen Roten Listen für Amphibien und Reptilien und lassen alarmierende Trends bei den Populationszahlen erkennen. Bei mehr als der Hälfte aller europäischen Amphibien (59 %) und bei 42 % der Reptilien gehen die Bestände zurück. Das bedeutet, dass Amphibien und Reptilien sogar noch stärker gefährdet sind als Säugetiere und Vögel in Europa. Bei 23 % der Amphibien und 21 % der Reptilien ist die Lage so ernst, dass sie in der europäischen Roten Liste als bedroht eingestuft sind. Der größte Druck auf diese zurückgehenden Arten wird durch die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume durch den Menschen hervorgerufen. Dazu kommen Klimawandel, Umweltverschmutzung und invasive Arten.

„Dies ist gerade am Internationalen Tag der Artenvielfalt eine ernüchternde Feststellung“, erklärte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. „Trotz strenger Rechtsvorschriften zum Schutz unserer Lebensräume und der meisten betroffenen Arten sind nun fast ein Viertel aller Amphibienarten in Europa bedroht. Dieser Zustand ist auf den enormen Druck zurückzuführen, den wir auf Flora und Fauna in Europa ausüben, und zeigt, dass wir unsere Beziehung zur Natur überdenken müssen. Ich fordere daher Bürger, Politiker und die Industrie auf, unsere vor kurzem abgegebene Botschaft aus Athen zu bedenken und die Belange des Artenschutzes in ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Diese Trends müssen aufgehalten werden.“

Dr. Helen Temple, Mitautorin der Studie, erklärte: „Südeuropa hat besonders reichhaltige Amphibienbestände, doch Klimawandel und andere Bedrohungen üben einen enormen Druck auf ihre Süßwasserlebensräume aus. In ganz Europa werden die natürlichen Lebensräume durch wachsende Bevölkerungszahlen, die Intensivierung der Landwirtschaft, die Zersiedelung der  Landschaft und die Umweltverschmutzung immer mehr eingeengt. Das sind schlechte Nachrichten für Amphibien und Reptilien.“

Amphibien und Reptilien stärker gefährdet als Säugetiere

In Europa sind 151 Reptilienarten und 85 Amphibienarten beheimatet, und viele dieser Arten gibt nirgendwo sonst auf der Welt. Sechs Reptilienarten, darunter die Teneriffa-Rieseneidechse ( Gallotia intermedia) und die Äolische Mauereidechse ( Podarcis raffonei), sind als „stark bedroht“ eingestuft. Das bedeutet, dass ein äußerst hohes Risiko besteht, dass diese Art in der freien Wildbahn ausstirbt. Elf weitere sind als „bedroht“ eingestuft (d. h. es besteht ein sehr hohes Risiko des Aussterbens in der freien Wildbahn) und zehn als „gefährdet“ (hohes Risiko des Aussterbens in der freien Wildbahn).


Bei den Amphibien, einer Gruppe, die Frösche, Kröten, Salamander und Molche umfasst, sind zwei Arten als „stark bedroht“ eingestuft: der Karpathos-Wasserfrosch ( Pelophylax cerigensis) und der Montseny-Gebirgsmolch ( Calotriton arnoldi), der einzige endemische Molch Spaniens. Fünf weitere, darunter die Apennin-Gelbbauchunke ( Bombina pachypus), sind als „bedroht“ und elf als „gefährdet“ eingestuft.

Die Amphibien- und Reptilienbestände sind sogar in noch schlechterem Zustand als andere Artengruppen: Bei Säugetieren sind 15 %, bei Vögeln 13 % bedroht. Es sind sicher noch mehr Gruppen in Gefahr, doch nur diese beiden Gruppen wurden nach den Leitlinien der IUCN für die regionale Rote Liste auf europäischer Ebene umfassend bewertet.

Hintergrund

Die biologische Vielfalt – das Netz des Lebens, von dem wir abhängen – geht auf der ganzen Welt zurück. Die größte Gefahr für Reptilien und Amphibien in Europa ist der Verlust ihrer Lebensräume. Andere Gefahren gehen vom Klimawandel, von der Umweltverschmutzung und von invasiven fremden Arten aus. Die Europäische Union hat sich verpflichtet, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 aufzuhalten, und dazu einen Aktionsplan für Biodiversität aufgestellt. Im vergangenen Monat wurde im Achtpunkteplan der „Botschaft aus Athen“ nachdrücklich darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, mehr für die Erhaltung der Arten zu tun. Dazu muss die Öffentlichkeit besser über die Bedeutung der Artenvielfalt aufgeklärt werden, es müssen mehr Gelder für den Artenschutz zur Verfügung gestellt werden, und die Belange des Artenschutzes müssen stärker in anderen Politikbereichen berücksichtigt werden.

Die europäischen Roten Listen werden von der IUCN aufgestellt. In ihnen sind die Arten je nach der Gefahr ihres Aussterbens als „stark bedroht“, „bedroht“ oder „gefährdet“ eingestuft.

Weitere Auskünfte

Die europäische Rote Liste ist veröffentlicht unter:

http://ec.europa.eu/environment/nature/conservation/species/redlist

Die Website der Kommission zum Thema Natur und Artenvielfalt:

http://ec.europa.eu/environment/nature/index_en.htm

Die Botschaft aus Athen: IP/09/649

Das Regionalbüro Europa der IUCN: www.iucn.org/europe

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