Umwelt: Kommission richtet hochrangige Konferenz über Böden und Klimawandel aus
Reference: IP/08/924 Date: 12/06/2008
Die Europäische Kommission veranstaltete heute eine hochrangige Konferenz über die Beziehung zwischen Böden und Klimawandel sowie die Bedeutung der Bodenbewirtschaftung für die Begrenzung des Klimawandels und die Anpassung an den Klimawandel. Organisches Material ist von grundlegender Bedeutung für die Erhaltung der Fruchtbarkeit der Böden, für die Wasserspeicherung im Boden, für die Erhaltung der biologischen Vielfalt und für die Regulierung des globalen Kohlenstoffkreislaufs. Der Gehalt der Böden an organischen Stoffen geht jedoch zurück, und den Konferenzteilnehmern wurde berichtet, welche großen Mengen Kohlenstoff in den letzten Jahren in die Atmosphäre entwichen sind. Nach Auffassung der Kommission sind Bodenschutzmaßnahmen auf EU-Ebene erforderlich. Die Mitglieder des Europäischen Parlaments, der Präsident des Rates „Umwelt“ und andere hochrangige Akteure stimmten in der Auffassung überein, dass die Funktion des Boden als Kohlenstoffspeicher verbessert werden muss. Sie erörterten hierzu verschiedene politische Optionen und befürworteten schließlich die Verabschiedung einer Richtlinie für den Bodenschutz, die sich an der im vergangenen Dezember vom Rat blockierten Boden-Rahmenrichtlinie orientieren sollte.
Organisches Material geht zurück
Die Böden enthalten Kohlenstoff, der in organischen Stoffen gebunden ist. Werden diese Stoffe dem atmosphärischen Sauerstoff ausgesetzt, so reagiert der Kohlenstoff mit dem Sauerstoff und es entsteht Kohlendioxid, das zum Treibhauseffekt und zur Erderwärmung beiträgt. Der Gehalt der Böden an organischen Stoffen nimmt aus mehreren Gründen ab. Dazu gehören langfristige Änderungen der Flächenbewirtschaftungspraktiken, veränderte Bodenbewirtschaftungstechniken sowie Veränderungen bei der Niederschlagsverteilung und steigende Temperaturen.
Die Böden in der EU enthalten mehr als 70 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff. Die Freisetzung selbst eines kleinen Bruchteils dieser Menge könnte die in anderen Bereichen erzielten Einsparungen zunichte machen. Im Vereinigten Königreich beispielsweise haben die Böden in den vergangenen 25 Jahren pro Jahr 13 Millionen Tonnen Kohlenstoff verloren.
Die Konferenz befasste sich auch mit der Bedeutung von Torfgebieten, die weltweit zurückgehen. Torfgebiete sind Kohlenstoffspeicher und potenzielle Methan- und Distickstoffoxidquellen. Geschädigte Gebiete müssen dringend saniert werden, um die enormen Mengen der Treibhausgasemissionen aus Torfböden zu verringern.
Wie kann die Lage verbessert werden?
Die Kommission ist davon überzeugt, dass eine Boden-Rahmenrichtlinie den Schutz der Böden verbessern und entscheidende Funktionen wie die Kohlenstoffsequestrierung erhalten würde. Sie hat voriges Jahr eine Richtlinie mit diesen Zielen vorgeschlagen und die Mitgliedstaaten gebeten, etwaige Verluste an organischen Stoffen aus ihren Böden zu untersuchen und Abhilfemaßnahmen auszuarbeiten. Der Rat hat den Vorschlag abgelehnt.
Die Böden werden im Herbst auch Thema eines Weißbuchs der Kommission zur Anpassung an den Klimawandel sein. Darin wird darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die Widerstandsfähigkeit der Böden gegenüber dem Klimawandel zu verbessern. Außerdem wird gezeigt, wie gesunde, widerstandsfähige Böden uns die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels erleichtern können. Mit den jüngsten Änderungen der Gemeinsamen Agrarpolitik wurde auch der Bodenschutz verbessert.
Warum wurde die Boden-Rahmenrichtlinie nicht angenommen?
Das Europäische Parlament nahm den Vorschlag für eine Richtlinie im November 2007 in erster Lesung an und wies nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, die Böden vor den nachteiligen Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. Im Dezember 2007 wurde der Vorschlag jedoch im Rat „Umwelt“ blockiert, da Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Österreich und das Vereinigte Königreich dagegen stimmten. Die anderen 22 Mitgliedstaaten hatten alle für den Vorschlag gestimmt. Der Kommissionsvorschlag liegt noch auf dem Tisch, und in bilateralen Gesprächen mit den Mitgliedstaaten, die sich gegen den Entwurf ausgesprochen haben, wird ein Ausweg aus dieser Sackgasse gesucht.